Prof. Dr. Heribert Prantl

Journalist, Autor & Jurist

Prof. Dr. Heribert Prantl ist einer der bekanntesten Publizisten und politischen Kommentatoren in Deutschland. Er war Richter und Staatsanwalt, bevor er 1988 als politischer Redakteur und Leitartikler zur Süddeutschen Zeitung ging.

Prof. Dr. Prantl leitete dort 25 Jahre lang das Ressort Innenpolitik, dann baute er die Redaktion Meinung auf. Zehn Jahre lang war er Mitglied der Chefredaktion. Seit März 2019 ist er ständiger Kolumnist und Autor der Süddeutschen Zeitung.

Prof. Dr. Prantl ist Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Bielefeld und Ehrendoktor der Theologie an der Universität Erlangen. Er wurde unter anderem mit dem Geschwister-Scholl-Preis, dem Kurt-Tucholsky-Preis, dem Erich-Fromm-Preis und dem Brüder-Grimm-Preis ausgezeichnet. 

 

Foto: Prof. Dr. Heribert Prantl
Prof. Dr. Heribert Prantl

© Photo: Jürgen Bauer

+49 89 - 21 83 0

Vortrag

Die Stunde der Optimisten – so funktioniert Zukunft:

Hoffnung ist der Wille zur Zukunft!

Hoffnung – welche Kraft hat die Hoffnung? Darf, kann, muss man Hoffnung haben, um wieder Zukunft zu gewinnen? Man kann die eigene Hoffnungslosigkeit so finster beschreiben, dass die Zukunft vor einem wegläuft. Aber: Es ist bitter, wenn das Wort Zukunft vom Frohwort zum Drohwort wird. Es gibt keine Zukunft, von der man einfach sagen könnte, dass es sie einfach gibt, dass sie einfach auf uns und über uns kommt. Zukunft ist nichts Festgefügtes, nichts Feststehendes, Zukunft komme nicht einfach – es gibt nur eine Zukunft, die sich jeden Augenblick formt – je nachdem, welchen Weg ein Mensch, welchen Weg eine Gesellschaft wählt, welche Entscheidungen die Menschen treffen.

Hoffnung hilft, die Dinge nicht nur zu ertragen, sondern zu tragen, auch die eigentlich unerträglichen. Und wenn man nicht mehr hoffen kann? Was ist, wenn der Hoffnung der Atem ausgeht? Hoffnung ist zwar etwas Tätiges, aber sie ist keine Sportart, die man trainieren kann. Dann ist man darauf angewiesen, dass Andere für einen hoffen. Und man kann sich anstecken lassen von der Hoffnung Anderer. Die Schwester der Hoffnung ist die Geduld. Geduld ist nichts Passives. Geduld ist weit davon entfernt, alles zu dulden. Die Geduld gibt die Erwartung nicht auf. Sie ist kein Aufgeben, sondern ein Festhalten. Der Geduldige hält die Erwartungen fest und die Hoffnung hoch.

Nach Corona geht es darum, dass die Menschen wieder miteinander reden können, dass die angstbesetzte Polarität der Reaktionen auf Corona einem zuhörenden und diskutierenden Miteinander Platz macht. Hoffnung ist der Wille zur Zukunft. Diese Hoffnung muss wieder Atem bekommen.

 

Close Window